Samstag, 12. November 2005

Das Online-Lesebuch

Eigentlich könnten wir dank Internet auf die meisten gedruckten Medien verzichten: Gegenüber Print hat das Netz den Vorteil, umfassender und schneller zu sein. Wenn da nicht ein "kleines" Problem wäre: das Lesen am PC. Selbst wenn es ein Notebook ist - letztlich bleiben wir an einen Tisch oder eine Unterlage gebunden. Der stereotype Einwand gegen Internet als primäres Medium: Im Wohnzimmer, am Küchentisch, im Bett etc. geht nichts über das Handling einer Zeitung.

Internet bleibt weiterhin auf der Suche nach einem bequemen Trägermedium, das so praktisch handzuhaben ist wie Print. Nokia unternimmt jetzt mit einem neuen Gadget einen interessanten (aber leider begrenzt tauglichen) Versuch, dieses Dilemma zu lösen: Das Internet Tablet 770, das dieser Tage für Nokia-Verhältnisse still und leise in den (Online-)Handel gekommen ist (359 Euro; www.nokia. at/german/phones/phone
models/770/).

Das Internet Tablet ist kein Handy - man kann damit nicht telefonieren, und es hat keinen Mobilfunkanschluss. Es ist eine Art elektronische Lese-und Schreibtafel, die ausschließlich für Internet gemacht ist: ein Webbrowser, ein Mailprogramm und Zubehör wie Audio- und Videoplayer, PDF-Reader, Rechner, Notizblock und ein paar Spiele. Bedient wird das Gerät mit einem Stift (Displaytastatur oder Handschriftenerkennung). Die Onlineverbindung wird über WiFi (drahtloses Netz = Wireless LAN) hergestellt; alternativ mittels Bluetooth auch mit Handy. Das Ganze in der Größe eines (sehr) kleinen Taschenbuchs, wobei der Vier-Zoll-Schirm quer gehalten wird.

Nokia positioniert das Internet Tablet als eine Art Zweitgerät für den Onlinegebrauch daheim - um zwischendurch mailen zu können, im Wohnzimmer im Online-TV-Programm nachschauen zu können oder in der Küche in einem Rezept nachzuschauen. Das sind zwar Klischees, aber es ist tatsächlich charakteristisch für viele alltägliche Situationen, in denen Internetverwendung eigentlich sperrig ist, siehe oben.

Nokia hat richtigerweise das Manko des Internets - ein fehlendes Endgerät, das kein "Computer" ist - identifiziert, hat aber einstweilen dagegen nur eine ungenügende Lösung. Hauptproblem des Tablets: Es ist einfach viel zu klein geraten. Zwar ist das Display mehr als doppelt so groß wie große Handydisplays, aber entweder entscheidet man sich für eine lesbare Schriftgröße und Verwirrung (weil nur ein kleiner Ausschnitt der jeweiligen Seite zu sehen ist) oder für Überblick und unleserlich kleine Schrift. Das kann man auch von Organizern wie dem Palm LifeDrive zu ähnlichem Preis haben, mit dem positivem Unterschied, dass man damit einen funktionstüchtigen, vielseitigen Organizer mit eingeschränktem Internetkonsum hat.

Trotzdem weckt der Versuch Hoffnung: Denn die derzeit einzigen "Internet-Tafeln" in vernünftiger Größe sind TabletPCs, die jedoch ungleich teurer und schwerer sind. Meine Wunschvorstellung: Das Nokia Tablet wächst bis zur nächsten Auflage kräftig, sagen wir in Magazingröße, ohne gleich ein teurer PC zu werden. Dann kämen wir einem "richtigen" Internet-Endgerät schon sehr nahe.
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© 2005 Helmut Spudich | Der Standard

Donnerstag, 3. November 2005

Endlich: Mein Handy kann fernsehen!

Worauf wir dringend gewartet haben, wo wir doch schon jetzt 90 Prozent unserer Handyfunktionen nicht nutzen: Mobile TV. Demnächst auf einem Schirm in Ihrer Tasche.

An sich ein interessantes Phänomen: Die Handyindustrie ist auf der Suche nach the next big thing und macht dazu eine Zeitreise zurück in die die 50er und 60er Jahre, als TV die mediale Killerapplikation war. Nokia (stellvertretend für fast alle) wird uns ab Mitte nächsten Jahres mit seinem N92 beglücken, das Fernsehen in den Mittelpunkt rückt -- wenn man nicht gerade die Liebsten fotografieren, Musikhören, E-Mails samt Anhängen verschicken, sein Leben planen, das Auto navigieren will, am besten simultan. Dafür kriegt man auch ordentlich was in die Hand, ich schätze mal das dreifache Volumen des Motorola RAZR. (Hallo Nokia, schon mal überlegt warum das RAZR kultig ist?)

Aber davon mal abgesehen: TV ist ein "medium in decline" (alle mitsingen: Internet kills the TV star), warum setzt dann eine zukunftssuchende Industrie auf das, was seinen Zenith überschritten hat?

Geschenkt: Es gibt Gelegenheiten bei denen man sich zwischendurch mit einem Videoclip die Zeit vertreiben will, und Harald Schmidt kann sein iSchmidt einfach abfilmen statt nur zu sprechen, auch nett. Aber dafür regelmäßig und womöglich auch noch üppig zahlen? Please.

Arbeitsplatz im Web

Zehn Jahre nachdem sich das Web flächendeckend ausbreitete, gibt es noch immer eine relativ scharfe Trennung zwischen dem Web und Stand-Alone-Programmen auf unserem PC - das eine, um Information zu bekommen und darzustellen, das andere zum Schreiben, Organisieren, Bilderbearbeiten usw. Nur Webmail überschreitet diese Grenze.

Eine Reihe junger Webdienste arbeitet daran, dass der Webbrowser nicht nur ein Fenster in die virtuelle Welt ist, sondern auch zum Arbeitsplatz wird und dabei Vorteile gegenüber Programmen am PC hat. "Writely" (www.writely. com) z. B. ist eine Online-Textverarbeitung, bei der Schreiben in einem Fenster des Webbrowsers stattfindet und keine Textverarbeitung am PC nötig ist.

Im Wesentlichen funktioniert Writely so wie von Word (dem De-facto-Monopol bei Textverarbeitungen) gewohnt. Writely kann und will mit den komplexen Fähigkeiten von Word nicht konkurrieren sondern setzt auf Koexistenz. Word-Dokumente können in ein Writely-Dokument geladen werden, Online erstellte Texte können nicht nur online, sondern auch lokal im Word-Format gespeichert werden (wobei komplexe Formatierungen nicht optimal übernommen werden).

Was bringt ein Webprogramm wie Writely, wenn es die Nachteile hat, eine Online-Verbindung zu brauchen und weniger zu können als Offline-Textverarbeitungen? Einerseits steht sie auch auf einem fremden PC zur Verfügung, ohne dass man nach dem Schreiben einen Weg suchen muss, das Dokument auf den eigenen PC zu befördern. Ein Dokument ist immer und überall greifbar, ohne dass man es per USB-Stick oder Mail transferieren und auf verschiedenen Geräten auf den letzten Stand bringen muss. Viele Benutzer, die gerade einmal die Eisbergspitze der Wordfunktionalitäten kratzen, werden die Simplizität von Writely als Vorteil und nicht als Nachteil sehen.

Andererseits läuft Writely dann zur Höchstform auf, wenn mehrere Menschen gemeinsam an einem Dokument arbeiten: Jeder, dem Sie Zugriff ermöglichen, kann mitschreiben - E-Mail-Verständigungen halten "Kollaborateure" über Änderungen auf dem Laufenden.

Ein Pionier dieser Entwicklung, "37 Signals" (www.37signals .com), bietet eine Palette von Onlineprogrammen an, die von Projektmanagement (Basecamp, optimal für Zusammenarbeit mit externen Partnern), Online-Organizer (Backpack) bis zu simplen Online-to-do-Listen reichen. Mein Favorit ist "Writeboard", bei dem mit wenigen Klicks eine Art weißes Brett für beliebig viele Benutzer eingerichtet wird: Darauf können Leute laufend ihre Einträge zu einem Thema machen und Kommentare zu Einträgen schreiben.

Onlinetools haben, dank omnipräsenten Internets, großes Potenzial und werden immer vielfältiger, von Fotosites wie "Flickr" (www.flickr. com, Personal Tools vom 11. Juni 2005) bis zu Instrumenten für die Teamarbeit wie vom österreichischen Anbieter "inBox.cc". Auch wenn sie derzeit ein Fall für "Early Adopters" sind: Es lohnt sich, die Angebote anzuschauen und darunter vielleicht Brauchbares für die eigene Arbeit zu entdecken.
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@2005 Der Standard / Helmut Spudich

Wikifikation

Viele gute Dinge brauchen ihre Zeit, um sich durchzusetzen und einen breiteren Benutzerkreis zu finden. Für Wikipedia, die "freie Enzyklopädie" im Internet, scheint diese Zeit einer breiteren Akzeptanz gekommen. Damit eröffnet sich noch eine größere Dimension: für das "Wiki"-Prinzip der Wissensvermittlung, der sich alle Arten von Organisationen bedienen können.

Wikipedia (www.wikipedia.org, deutsche Ausgabe de.wikipedia.org) bietet sich zunächst dem Benutzer als umfangreiches Lexikon an - über 280.000 Einträge gibt es in deutscher Sprache, rund 600.000 auf Englisch, dazu zahlreiche Versionen in anderen Sprachen. Das Besondere: Diese Enzyklopädie ist nicht das Produkt eines Verlags und einer Hand voll Autoren, sondern das "kollektive Wissen" tausender ehrenamtlicher Autoren ("Wiki" ist eine Webseite, an der jeder arbeiten kann).

Zwei wissen mehr als einer, und das Wissen von tausenden ist umfangreicher als das von hunderten - soweit die Grundlogik, der das gemeinnützige Projekt folgt. Die "Wahrheit" der Darstellung - immer ein Annährungsprozess - ergibt sich aus der möglichst breiten Zustimmung der Autorengemeinschaft, die einander ergänzt und korrigiert. In der Wissenschaft (und bei kommerziellen Lexika) läuft dies unter "Peer Review". Der Unterschied zur Wissenschaft besteht darin, dass man in deren Community "aufgenommen" werden muss (im Wesentlichen durch Universitäten geregelt), die Wikipedia-Community hingegen offen ist - jeder kann Wiki-Autor sein.

Bisher hat sich jedenfalls diese Struktur in der Praxis ganz gut behauptet - eine Reihe Tests, zuletzt in der Zeit, haben Wikipedia gute Noten im Vergleich zur Brockhaus Multimedia Enzyklopädie und Microsoft Encarta erteilt. Wie sich die praktizierte "Konsenstheorie der Wahrheit" längerfristig behaupten kann, werden uns vielleicht Forschungsprojekte beantworten - für Sozialforscher ist die Wikipedia als solches interessant.

Abgesehen vom alltäglichen, praktischen Nutzen weist Wikipedia einen Weg des Wissensmanagements, dessen sich jede Organisation bedienen kann: die systematische Sammlung des Wissens, das in der Organisation vorhanden ist und Basis ihrer Arbeit ist. Egal ob es um Unternehmen, Bildungseinrichtungen oder Non-Profit-Organisationen geht: Ihre Mitarbeiter sind ihre Experten, und deren Wissensschatz wird meist nur ungenügend gehoben.

Hinter Wikipedia steht eine Open-Source-Software, MediaWiki, die lizenzgebührenfrei von jedermann eingesetzt werden kann (www.mediawiki.org). Das setzt Expertenwissen voraus, um das Redaktionssystem zu installieren und zu betreiben - eine Aufgabe für die IT-Manager der Organisation.

Damit aber aus den Mitarbeitern der Organisation Autoren werden, braucht es kein besonderes IT-Wissen - das Redaktionssystem ist über den Webbrowser einfach zu bedienen. Der Aufwand liegt darin, dass Individuen und die Organisation als Ganzes lernen müssen, aus den Werkzeugen Wissensmanagement zu machen - kein leichtes Unterfangen, aber ein lohnendes.
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@2005 Der Standard / Helmut Spudich

Achtung, E-Mail senkt Ihren IQ!

Schon aus dem Urlaub zurück und hunderte, womöglich tausende neue E-Mails aus den letzten Wochen im Eingangsfach gefunden? Dann haben wir für Sie diese Warnung des King's College der London University: Die Verwendung von E-Mail kann Ihren IQ um zehn Punkte senken, will eine Studie herausgefunden haben.

Um diesen Verlust an Denkleistung besser einordnen zu können: Das ist doppelt so viel wie der IQ-Abfall, der infolge des Konsums von Cannabis verzeichnet wird - oder, auf hiesige Messgrößen geeicht: wahrscheinlich zweimal ein ordentlicher Vollrausch.

Und im Ernst (obwohl Glenn Wilson, der für den IQ-Teil der Studie zuständige Psychiater, dies allen Ernstes meint): Natürlich ist jedes Mailfach nach dem Urlaub ein wahrer Horror. Und auch ohne Studien schwingt die Implikation, dass Mail dumm machen könnte, in der Haltung vieler ablehnender Zeitgenossen unterschwellig mit.

Verdummend, mindestens aber sozial schädlich, zeitverschwenderisch, abhängig machend - diese Aversionen sind schnell bei der Hand, wenn sich neue Phänomene im Alltag breit machen. Comics waren zweifelsohne lange auf der Liste, Fernsehen, der Walkman, der PC, Internet - und derzeit eben E-Mail. Das Anwachsen der E-Mail-Flut und ihr Überschwappen auf Mobilgeräte, die wir ständig bei uns tragen, macht auch vielen Sorge, die ihre E-Mail nicht nur als gelegentliche Last empfinden, sondern die auch Spaß daran haben.

Dem latenten schlechten Gewissen über die Hervorbringungen unserer tech-getriebenen Alltagskultur lässt sich jedoch einiges entgegnen. Vor rund 20 Jahren ist der Philosoph James Flynn einem interessanten Phänomen auf die Spur gekommen: Seit der IQ gemessen wird, ist der Durchschnitt Generation um Generation gestiegen. Auf den ersten Blick wird das dadurch verdeckt, dass IQ-Tests quasi geeicht, also laufend angepasst werden, um einen Durchschnittswert von 100 zu erhalten. Rechnet man diese Anpassungen heraus, dann ist der kontinuierliche IQ-Anstieg zu erkennen.

In einem provokanten Buch (Everything Bad is Good for You) macht der Wissenschafts- und Technologieautor Steven Johnson dafür gerade die Dinge verantwortlich, die gerne verteufelt werden - TV-Shows, Comicfilme,
Videospiele -, und man könnte ergänzen: Internet und E-Mail. Warum? Weil alle diese Dinge in ihrer wachsenden Komplexität wie eine ständig steigende Dosis von Stimulans wirken, die unser Denken herausfordern, um ihnen folgen zu können. Dazu braucht man nur die Komplexität heutiger TV-Serien mit den simpel gestrickten Kultserien der 70er-Jahre vergleichen oder frühe Videospiele mit heutigen.

Nicht anders verhält es sich mit dem digitalen Arbeitsalltag, der uns ein höheres Maß an Tempo und "Multitasking" abverlangt - gleichfalls eine Stimulation. Dass es davon auch ein Übermaß geben kann - gekauft; und damit zurechtzukommen ist die Herausforderung, der wir uns neben der Beherrschung dieser Techniken stellen müssen. Aber Grund für Kulturpessimismus und schlechtes Gewissen? Dazu muss man schon immer währender Bedenkenträger sein.
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@2005 Der Standard / Helmut Spudich

Handytagebuch: Nokias gut gehütete Killerapp

Nebst Armbanduhr und Geldbörse sind Handys wahrscheinlich das intimste Accessoire, das uns Tag und Nacht begleitet. In dieser Funktion haben sie das Potenzial, quasi zu unserem Vertrauten zu werden: als elektronisches Tagebuch - ein Recorder, der die kleinen und größeren Ereignisse unseres Alltags festhält.

Allerdings ist dieses Handytagebuch eines der bestgehüteten Geheimnisse von Nokia, obwohl es damit angeblich ein Geschäft machen will. "Lifeblog" heißt ein kleines Programm, das am Handy wie am PC komplementär läuft und unauffällig als persönlicher Sekretär agiert.

Lifeblog sammelt alles, was an Erinnerungsstücken in unserem Handy "herumliegt": Abgeschickte und empfangene Kurzmitteilungen und Bilder, die kleinen Schnappschüsse oder Videoclips, die wir mit dem Handy machen, und Notizen, wenn man das Handy dafür verwendet. Es ist erstaunlich, welche Erinnerungen sich dabei im Laufe eines Handylebens ansammeln - wenn man zu den Menschen gehört, die diese Funktionen benutzen (und hat man erst einmal dieses Tagebuch entdeckt, steigt die Wahrscheinlichkeit).

Dabei kommt eine praktische Handyfunktion zum Tragen: Jeder Eintrag hat automatisch einen Datumsstempel, bei Bildern wird auch der Ort der Aufnahme aufgezeichnet; einstweilen nur das Land - es liegt an den Handyprovidern, dass sie genauere Daten liefern, denn ein eingeschaltetes Handy "weiß" immer genau, wo es sich befindet.

Lifeblog am PC (leider keine Mac-Version) "saugt" alle diese Memorabilia vom Handy und speichert sie auf dem eigenen Computer; womit sie auch gerettet sind, wenn man eines Tages das Handy wechselt. Am PC können Dateien (Fotos, Musik) vom PC und zusätzliche Notizen leicht hinzugefügt werden. Die Augenblicke, die man gern immer bei sich tragen will, werden als "Favoriten" am Handy belassen, die anderen gelöscht, um Platz für neue Erinnerungen zu machen.

Am PC wird daraus ein wunderschönes "Scrapbook" in einer Zeitreihe, das naturgemäß mit zeitlicher Distanz zu den Ereignissen gewinnt. Erstaunlich übrigens, dass für den Erinnerungswert die Qualität der Bilder wenig Rolle spielt, und mit den nächsten Generationen von Handys wird sie ohnedies besser.

Anders als der Name Lifeblog suggeriert, bleiben diese privaten Erinnerungen auch privat - sie werden auf dem PC gespeichert und sind kein Blog (Weblog - eine Art Onlinetagebuch). Aber wer will, kann aus einzelnen Teilen schnell auch ein richtiges Blog machen und publizieren.

Ein Wort zu den Nachteilen: Erstens kostet Lifeblog 29 Euro - das ist es wert, aber in Zeiten des Nulltarifs ungewöhnlich. Zweitens sind nicht alle Handys Lifeblog-tauglich; man braucht ein "Serie-60-Handy" von Nokia (das sind die mit den großen Bildschirmen, eine Liste findet man bei nokia.com). Theoretisch sollten auch Serie-60-Handys anderer Hersteller das Programm verwenden können, aber dazu gibt es keine Bestätigung. Jedenfalls ist Lifeblog ein sehr einfach zu benutzendes Programm, das durchaus zu den Kriterien beim nächsten Handykauf zählen sollte.
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@2005 Der Standard / Helmut Spudich

Samstag, 28. Mai 2005

Ein Surfbrett für das Web

Das neue Nokia Internet Tablet könnte der Beginn einer Revolution sein: Endlich wird das Internet vom schweren und teuren PC befreit.

Internet ist eine großartige Sache, aber eigentlich fehlt das optimale Gerät<$0> zu seiner Benutzung. Ein Buch (oder Magazin oder Zeitung) ist Soft- und Hardware in einem: Es beinhaltet den Content und einen Bildschirm in Form von gebundenem Papier, Navigationsstruktur inklusive. Internet liefert den vielfältigsten Content aller Zeiten, aber was ist seine Hardware?

In den meisten Fällen ist es ein PC oder Mac, als Desktop oder Notebook. Das ist für viele Arten des Weblesens ok, weil wir z. B. Information aus dem Internet beziehen, während wir gleichzeitig an einem Dokument arbeiten, und das tun wir mit dem PC. Aber ebenso oft surfen wir, sind reine Leser, und wollen uns mit dem Web an den Küchentisch oder in die Gartenliege setzen. Dafür ist das Notebook bestenfalls eine Notlösung – schwer und aufgrund der Tastatur unhandlich. Tablet PCs wären dafür besser, aber sie sind immer noch schwer und die Tastatur ist nur versteckt (außer bei keyboardlosen Tablets). Vor allem aber: Notebooks ebenso wie Tablet PCs sind teuer.

Darum ist der Eintritt von Nokia in den Bereich so genannter Internet Appliances mit einem Internet-Tablet um 350 Euro besonders bemerkenswert. Internet Appliances waren als Konzept auf der Höhe der Dotocom-Welle en vogue: Geräte, die ausschließlich zur Internetnutzung dienen sollten. Prototyp: Audrey, ein Bildschirm in beetle-ähnlichem Design, mit dem man surfen und mailen konnte – dem aber kein Erfolg beschieden war.

Anders als das Nokia 7710, ein Handy speziell für Internetgebrauch, ist das Nokia 770 Internet Tablet kein Handy: Der Onlinezugang funktioniert über WiFi (und notfalls via Bluetooth und Handy). Der 230 Gramm leichte Bildschirm ist 800 x 480 Pixel groß, was ok aber noch nicht optimal ist zum Surfen; dankenswerter Weise hat Nokia das Gerät als „erstes einer neuen Kategorie“ betitelt, wir können also auf größere Schirme in der Folge hoffen. Und die Verwendung von Linux durch Nokia ist eigentlich eine kleine Zeitbombe, vor der sich Microsoft wahrscheinlich mehr fürchten muss als umgekehrt Nokia vor Windows für Smartphones.

Mit Nokias Marktmacht ausgestattet ist das ein hoffnungsvoller neuer Anlauf für Internet Appliances. Für eine Vielzahl von Benutzern (z.B. auch Schüler) wäre ein gutes Internet Tablet der einzige „PC“ den sie je brauchen: Denn über den Webbrowser kann man heute so gut wie alles machen. Gute Aussichten, dass Internet doch noch seine eigene Hardware bekommt.
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@2005 Der Standard / Helmut Spudich

Die Wiedergeburt der Internet Appliance

Ein Bildschirm, der nur dazu da ist, damit man im Internet surfen kann: Mit seinem ersten Internet-Tablet geht Nokia neue Wege für mobilen Medienkonsum. Überraschung: Man kann nicht damit telefonieren.

Theoretisch ist Internet schon lange mobil. Praktisch wird jedoch überwiegend am Schreibtisch im Netz geschmökert, oder man schleppt einen relativ schweren Notebook mit sich. Oder man verzweifelt an komplexen Internetseiten auf einem kleinen Handybildschirm.

Obwohl Internet dabei ist bisherige Medien im Gebrauch zu überholen, gibt es bis heute keine Geräte die exklusiv der Onlinenutzung dienen. Das ändert sich: Beim LinuxWorld Summit in New York stellte Nokia sein erstes Internet-Tablet vor, eine Art Buch für das Internet. Das Nokia 770 ist ein Bildschirm im Format A6 mit einer Auflösung von 800x480 Pixel (was der Breite gängiger Websites entspricht) vor, mit dem man nur eines kann: Im Web browsen und mailen.

Das Gerät von Nokia überrascht in mehrerer Hinsicht: Es hat keinen Mobilfunkteil, sondern verwendet die Drahtlostechnik WiFi (Wireless LAN). Als Betriebssystem dient Linux und nicht das von Nokia in seinen Smartphones verwendete Symbian. Und obwohl Nokia das 770 als "das erste Gerät einer neuen Produktkategorie von Internet Tablets" vorstellte, tat der Konzern das mit völlig uncharakteristischer Bescheidenheit.

Dabei könnte das 350 Euro teure Leichtgewicht (230 Gramm) zu einem viel verwendeten Weblesegerät für viele Situationen werden: Am Küchentisch für die Morgenlektüre, im Kaffeehaus, in Hotels, im Wohnzimmer. Denn für eine breite Akzeptanz hat es gegenüber jedem Notebook (oder TabletPC) einen Riesenvorteil: Es ist kein PC - weder in der Komplexität der Bedienung, noch im Gewicht, noch im Preis. Damit würde es selbst den "Müttertest" bestehen - ein Gadget, das so einfach ist, "dass es auch meine Mutter benutzen kann", wie es in Technokreisen oft heißt.

Nokia wandelt dabei auf den Spuren anderer Hersteller, die sich schon vor Jahren (glücklos) an so genannten Internet Appliances versuchten. Der wahrscheinlich charmanteste, misslungene Versuch war "Audrey" von 3Com - ein 2000 auf den Markt gebrachter ähnlich großer Bildschirm im Retrodesign auf Palmbasis zum Websurfen, der jedoch ein Telefonkabel benötigte.

Auch Internet Radio - gleichfalls bisher erfolglos - könnte damit eine neue Chance erhalten: Über Internet empfangene Radiostationen könnten über das WiFi-Netz und die Stereoanlage wiedergegeben werden. Auf den Markt kommen soll das Nokia Internet Tablet im heurigen Herbst.
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@2005 Der Standard / Helmut Spudich

E-Learning by Google

Seit vielen Jahren zirkuliert das Schlagwort E-Learning: Die Verwendung "neuer Medien" zum Lernen. Unterschwellig damit verbunden ist das Versprechen, dass Lernen damit kinderleicht wird, so leicht wie Spiele von der CD-ROM, und tatsächlich sind viele Lernprogramme (z. B. Sprachkurse) und Multimedia-Lexika in der Zeit vor dem Internet auf CDs dahergekommen. Mit dem Internet wurde daraus vor allem ein Onlinekonzept.

Diese Formen des E-Learning - strukturiertes, "zielgerichtetes" Lernen - steckt mit wenigen und durchaus respektablen Ausnahmen weiterhin in den Kinderschuhen. Dabei könnten insbesondere Unternehmen alleine durch guten Onlinezugriff auf Handbücher, Schulungsunterlagen, Orientierungsmaterial eine wesentliche Voraussetzung für Weiterbildung schaffen.

Mit internen Blogs (und idealerweise aufwändigeren Portalen und Redaktionssystemen) kann viel individueller Wissenserwerb ermöglicht werden auf dem Weg zum hehren Ziel einer "lernenden Organisation". Die EU-Kommission unterhält ein sehr gutes Portal zum Thema, das quasi E-Learning durch E-Learning vermittelt (elearningeuropa.info). Benutzer können sich registrieren und selbst Input leisten - ein Muster dafür, wie E-Learning durch Partizipation funktioniert.

Aber strukturiertes Lernen durch entsprechende Angebot sind nur eine Lernart; die andere hat sich längst in unseren Alltag eingeschlichen und muss nur bewusst wahrgenommen werden - ich würde es "E-Learning by Google" nennen, wobei Google nur als Prototyp von Suchen und Finden (=Lernen) steht.

Unsere formalisierte Gesellschaft tut sich mit so viel Autonomie schwer, denn Lernen will gewogen und bewertet (bei Bewerbungen, am Gehaltszettel) werden, darum ist selbst Gelerntes scheinbar nichts wert. Aber was macht eigentlich Lernen für Kinder leicht? Die Fähigkeit, der eigenen Neugier zu folgen und herauszufinden, wie etwas funktioniert. Wenn man Kindern eine reichhaltige Lernumgebung zur Verfügung stellt, können sie ihrem Drang folgen und sich jeweils die Inhalte spielerisch aneignen, die gerade ihren Bedürfnissen entsprechen - soweit das Grundkonzept der Montessori-Pädagogik.

Das Internet ist heute eine der reichhaltigsten Lernumgebungen, die man konstruieren könnte, und Google & Co sind der Schlüssel zur Onlinelernwelt. Diese wird häufig gering geschätzt - es fehlt der Stempel für "taugliche" Inhalte, wie bei der Approbation von Schulbüchern (ein ziemliches Relikt).

Aber auch das ist bereits Teil des Lernens: Checken, welche Quellen und Information vertrauenswürdig sind, welche mit Vorsicht nutzbar, welche ungenießbar sind. Unternehmen (wie Bildungsstätten) können diesen Prozess unterstützen, indem sie diese Art des Lernens ausdrücklich gut heißen und interne Möglichkeiten einräumen, sich darüber auszutauschen - etwa über ein Blog, siehe oben. Wikipedia.org ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Onlinekollaboration zu fundiertem Wissen führen kann.

E-Learning by Google ist eine ziemlich aufregende Sache; leider würde es auf dem CV unter "Ausbildung" wohl noch wenig Eindruck machen. Sollte es aber.
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@2005 Der Standard / Helmut Spudich

Montag, 23. Mai 2005

Das Fotolabor für Außerformatiges

Digitaler Fotodruck eröffnet heute Möglichkeiten, die im analogen Zeitalter wenigen Profis vorbehalten waren. Zu erschwinglichen Preisen werden jetzt auch Drucker für A3-Format (und größer) populär.

Es ist wirklich die beste aller Zeiten für ambitionierte Fotografen. Zuletzt sind digitale Spiegelreflexkameras mit hochauflösenden Chips in die Preisklasse von Amateuren vorgedrungen (wie berichtet die Canon EOS 350D sowie Nikons D50, beide ab rund 800 Euro). Jetzt wächst auch das Angebot an erschwinglichen speziellen Fotodruckern für Großformate bis zu A3+ (330x483 mm), zu Preisen ab 500 Euro.

Drei Modelle von Canon, Epson und Hewlett-Packard liefern Poster wie aus dem Fotolabor: Möglich wird das durch die Verwendung von bis zu neun Druckfarben für besonders nuancierten Tonverlauf sowie immer winziger werdenden Tintentröpfchen. Und durch Spezialpapiere: Gute Fotowiedergabe braucht entsprechendes Papiermaterial, sonst ist die Mühe vergeben. Alle Hersteller setzen auf die Kombination ihrer jeweiligen Druck- und Papiertechnologie für optimale Fotos.

Im subjektiven STANDARD-Test sind mit freiem Auge keine Qualitätsunterschiede bei den Fotoergebnissen zu erkennen. Die drei Geräte (Canon i9550 um 689 Euro, Epson Stylus Photo R1800 um 625 Euro, HP Photosmart 8750 um 499 Euro, Pro-Version mit Farbkalibrierungswerkzeugen um 649 Euro) liefern beeindruckende Bilder, mit denen die Qualität einer guten digitalen Kamera erst so richtig zum Ausdruck kommt. Und man merkt: Es ist das große Papierbild, das Betrachter erst so richtig beeindruckt - trotz aller Möglichkeiten schöner Präsentationen am Bildschirm. Beim Tempo des Ausdruckes lieferte Canon die raschsten Ergebnisse, gefolgt von Epson und HP. Canon und Epson verwenden acht Farben in getrennten Patronen; HP neun Farben (darunter drei Grauschwarztöne für exzellente Schwarz-Weiß-Bilder), in Patronen zu je drei Farben.

Rasch und einfach startklar

Die Installation läuft sowohl unter Windows XP als auch Mac OS X einfach und schnell, in wenigen Minuten ist das Heim-Fotolabor startklar. Der Anschluss an den PC/Mac funktioniert entweder über USB 2.0 (auch ohne PC direkt von der Kamera) oder Firewire (Canon und Epson). Trotz fehlenden Firewires sind die Anschlussmöglichkeiten bei HP am vielseitigsten: Das Gerät kann auch direkt von Speicherkarten drucken, zur Bedienung ist ein Display eingebaut. Ethernet, Wireless Lan und Bluetooth als Extraausstattung ermöglichen es, dass der Drucker mehreren Benutzern zur Verfügung steht. Unterschiede gibt es bei den verwendeten Druckträgern: Die Formate reichen bei allen von 10 x 15 bis A3+; HP bietet wahlweise eine Papierkassette an der Vorderseite (womit das Papier gewölbt werden muss) oder einen geraden Durchlauf für Einzelblätter; Canon und Epson arbeiten mit geradem Durchlauf von der Rückseite des Druckers und können auch CDs mit Spezialbeschichtung bedrucken. Epson ermöglicht darüber hinaus den Anschluss von Fotopapierrollen. Generell sind die Geräte bei der Art des verwendeten Papiers überaus vielseitig, auch für Spezialwünsche wie schweres Fotopapier mit strukturierten Oberflächen.

Eine besondere Herausforderung ist beim Fotodruck die korrekte Abstimmung vom Aussehen des Bilds am Bildschirm und im Druck. Wer hier optimale Ergebnisse erzielen will muss sich mit der (aufwändigen) Kunst der Farbkalibrierung beschäftigen, was natürlich das Brot der Profis ist. HP bietet nebst der 499-Euro-Standardversion eine Pro-Version um 649 Euro, die das nötige Werkzeug dafür mitliefert.

Noch einige praktische Erwägungen: Die A3-Drucker brauchen natürlich entsprechend mehr Platz (ca. 20 x 60 cm, plus Raum für die Papierausgabe) im "Heimlabor". Sie können aber jederzeit den bisherigen Drucker ersetzen - es sind schnelle Drucker auch für ganz normale Aufgaben. Und der Kaufpreis ist nur ein Teil der Gleichung: Für ein A3-Foto muss mit Kosten von ein bis zwei Euro (ja nach Papier und Tintenverbrauch) gerechnet werden.
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Copyright 2005 Der Standard / Helmut Spudich

Zukunft kommt aus Indien

Mit einem einfachen PC um 180 Euro macht Indien vor, welchen Weg die Entwicklung bei Onlinegeräten gehen muss.

Vor einigen Jahren waren indische Entwickler das Wundermittel gegen den heimischen IT-Arbeitskräftemangel. Dann kam die große Post-Bubble-IT-Krise, und die Inder blieben zu Hause, um dort Outsourcing-Jobs zu übernehmen und ihre eigene Wirtschaft anzukurbeln. Jetzt zeigen sie uns dafür, in welche Richtung ein Teil der PC-Entwicklung gehen muss.

Encore Software, ein indischer Hersteller, hat einen PC namens "Mobilis" um 10.000 Rupien, rund 180 Euro, zur Marktreife entwickelt. Die nur 750 Gramm schweren Low-Cost-Geräte gibt es in verschiedenen Modellen - als Desktop, notebookartiges Mobilgerät oder "intelligentes Display" fürs Auto - zu ähnlich niedrigen Preisen. Encore will die Geräte in erster Linie in Indien und anderen Emerging Markets" verkaufen.

Für den Gebrauch von PCs in industrialisierten Ländern in Europa oder den USA hält der Mobilis eine Lektion bereit, wie sich ein Teil unserer PCs entwickeln muss. Denn das Ding ist nicht so billig, weil Arbeitskraft in Indien so billig ist; menschliche Arbeit ist nur ein kleiner Teil der Herstellungskosten. Der Mobilis ist billig, weil er sich zweckmäßig auf einfache Komponenten beschränkt, wie sie für viele Aufgaben ausreichend sind. Ein 400-Megahertz-Intelprozessor, 128 Megabyte RAM, abgespeckte Software - auf solch simple Ausstattung greift unsere Industrie schon seit Jahren nicht mehr zurück, weil durch immer höhere Leistung dem Preisverfall entgegengewirkt wird.

Aber für das Internetzeitalter, das eben erst begonnen hat, ist dieser Rückgriff auf einfache und damit billige Komponenten wegweisend. Denn wir brauchen für diese neue Ära ein Werkzeug, das so billig und im Überfluss verfügbar ist wie heutzutage Papier und Bleistift, Bücher und Zeitungen. Ein Display zum Lesen von Web-Content und E-Mail um 200 Euro: Das gibt es paradoxerweise noch immer nicht, obwohl Online dabei ist, das Leitmedium unserer Kultur zu werden. Ein Online-Endgerät, von dem mehrere Stücke in jedem Haushalt herumliegen, damit jeder in der Familie eins benutzen kann, das in jeder Schultasche steckt und in Kaffeehäusern so aufliegt wie die Zeitungen.

Solche Endgeräte herzustellen wäre der Industrie ein Leichtes. Aber sie fürchtet den Paradigmenwechsel von teuren PCs und Notebooks zu billigen Onlinegeräten (die dafür in viel größerer Stückzahl verwendet werden würden). Diese Verweigerung führt zu immer neuen, teuren Flops - Tablet PCs, "Smart Displays". Darum: Indien, führe uns in die Zukunft.
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E-Mail am Handy

In mancher Hinsicht ähnelt die Ausbreitung von E-Mail am Handy der flächendeckenden Verbreitung von E-Mail am PC vor einer Dekade. Eine kleine Gruppe "Early Adopters" tippt bereits heftig auf ihren Blackberrys (Spitzname: "Crackberry" aufgrund des suchtartigen Verhaltens) und Communicators, während der große Rest abwartet, ob man sich Mail fernab vom Schreibtisch überhaupt "antun soll".

Die Hürde ist doppelt: sozial (ständige Erreichbarkeit) und technisch. Die soziale muss jeder für sich entscheiden; meine persönliche Prognose: Im beruflichen Bereich wird mobile E-Mail Standard.

Die meisten Handys jüngerer Bauart sind zwar für E-Mail in irgendeiner Form verwendbar, für den wirklich "ernsthaften" Gebrauch (ständige Verwendung, die kein Ärgernis ist) bieten sich einige Geräte besonders an.

Wesentliches Kriterium ist eine "richtige" Tastatur anstatt der reinen Handytasten. "Richtig" heißt bei mobiler E-Mail ein alphanumerisches ("Qwertz") Keyboard, das mit Daumen oder einer Kombination aus Daumen und Zeigefingern so benutzbar ist, dass man damit auch noch einige Sätze schreiben kann. Die größten Tasten bieten die Nokia Communicator: das 9500 und sein kleinerer Bruder 9300, gefolgt von Geräten mit Dreh- oder Klapptastaturen (Siemens SX1, Nokia 6800-Serie). Letztere machen sich zwar in der Tasche schlank, aber das vom Bildschirm in der Mitte geteilte Keyboard ist gewöhnungsbedürftig.

Die andere Klasse von Tastaturen ist das "Daumenklavier", prominentester Vertreter Blackberry, aber auch auf einer Reihe von Smartphones wie dem Treo 650. Mit Übung sind diese Tasten überraschend brauchbar; bei manchen Geräten sind die Tasten für guten Gebrauch zu klein geraten (Sony Ericsson 910i).

Auch wenn Hersteller damit werben, dass Handys immer alles können (also telefonieren, E-Mail und 1001 weitere Funktionen), ist die Benutzung zweier Geräte - eines für E-Mail, eines zum Telefonieren - überlegenswert.

Nicht nur die äußere Artenvielfalt, über die letztlich nur Ausprobieren entscheiden kann, auch die unterschiedlichen Mailsysteme sind verwirrend. Als Königsweg gilt Blackberry, das es sowohl als Gerät als auch als Blackberry-Mail auf den Geräten anderer Hersteller (z. B. Siemens SX1) gibt. Der Vorteil: Alle Einstellungen passieren durch den Handybetreiber, über eine Website kann man Mailkonten, die man mobil benutzen möchte, hinzufügen. Die Mail wird wie SMS "gepusht", also automatisch auf das Gerät geschickt. Dafür ist man mit dem Betreiber "verheiratet", der die Blackberry-Mail betreibt.

Die Alternative ist Mail, die ähnlich wie Mail am PC regelmäßig abgefragt wird, Zeitintervall nach Benutzerdefinition - solche Mailsysteme verwendet u. a. der Communicator oder der Treo 650 von PalmOne. Nur eine "Notlösung" sind dagegen Mailfunktionen auf Handys, bei denen die Anfrage jeweils händisch ausgelöst werden muss.

Was solche Mailsysteme mühsamer als den Blackberry macht, sind die dafür nötigen Einstellungen; wer mit Mail-Settings nicht vertraut, ist tut gut daran, die Einstellungen im Shop vornehmen zu lassen, auch wenn die Betreiber-Websites Anleitungen geben.
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Copyright 2005 Der Standard / Helmut Spudich

Montag, 16. Mai 2005

Datenrucksack

Bis vor zehn, zwölf Jahren waren die meisten PCs einsame Inseln. Um Dateien von einem PC auf einen anderen zu bringen, gab es das "Turnschuhnetzwerk": die Datei auf einer 3,5-Zoll-Diskette speichern und zu Fuß herumtragen.

Heute sind wir vernetzt, und Dateien wandern über Leitungen. Aber irgendwie sind immer irgendwelche Dateien außerhalb der Netze zu befördern - von daheim ins Büro, vom Rechner auf der Uni nach Haus, oder um Bilder zu Freunden mitzunehmen. Die Diskette ist dafür längst unbrauchbar geworden, weil unser Notebook kein Laufwerk mehr hat oder die Dateien dafür zu groß geworden sind.

Was ist dafür heute das richtige Medium? Einerseits physische Datenspeicher, andererseits Online-Speicher.

Der eleganteste physische Ersatz der Diskette ist ein USB-Stick - ein kleiner Datenspeicher, der an den USB-Stecker am PC/Mac angesteckt wird und wie eine externe Festplatte funktioniert. USB-Speicher gibt es in vielen Formen, und sie sind sehr billig geworden. Minifeuerzeuggroße USB-Sticks mit 256 Megabyte Platz beispielsweise gibt es um wenig mehr als 20 Euro. Und es gibt sie in vielerlei Form als Accessoires - als Schlüsselanhänger, im Schweizermesser, in der Armbanduhr, als MP3-Player oder iPod-Shuffle (Tipp: Vatertag naht).

USB-Speicher finden sich auch in Palm-Organizern, was den Organizer in einen kleinen Datenrucksack verwandelt. In Kürze kommt ein neuer Palm-PDA auf den Markt, der sogar eine vier Gigabyte große Festplatte enthält. Natürlich sind auch kleine externe Festplatten oder ein Festplatten-iPod oder MP3-Player eine Möglichkeit, die bereits Richtung Datensicherung und nicht nur Dateitransport geht.

Die eleganteste virtuelle Art des Datenrucksacks sind hingegen Online-Speicher. Das setzt eine Internetanbindung voraus, die jedoch meist selbstverständlich ist. Die einfachste Art, Dateien online zu speichern, um sie dann an einem anderen Ort wieder abzurufen, sind diverse Gratismail-Accounts: Yahoo.de oder gmx.net bieten bereits ein Gigabyte Speicherplatz für die Mailbox, Googles Gmail (für das man eine Einladung von einem Gmail-Benutzer braucht) offeriert bereits zwei Gigabyte Platz. Dateien, die man "mit sich führen will" (also von verschiedenen PCs abrufen kann), schickt man sich einfach selbst per E-Mail als Anhang, zusammen mit ein paar Stichworten, nach denen man später suchen kann.

Vom improvisierten Online-Speicher via Mail-Account bis zur "richtigen" Online-Festplatte ist nur ein kleiner Schritt, den GMX anbietet: Der Gigabyte-Speicher des Gratisangebots (um 2,99 Euro im Monat gibt es fünf, um 4,99 Euro/Monat zehn GB) kann mithilfe eines kleines Programms wie eine Festplatte zum Aufheben von Dateien benutzt werden. Zusatznutzen: Auf "öffentlichen" Ordnern kann man Freunden, Kollegen oder Kunden die Dateien zum Abholen bereitstellen.

Online-Speicher haben eine große Zukunft - gut möglich, dass wir in einigen Jahren dank immer verfügbarer UMTS-Funknetze so alle unsere Daten sichern und jederzeit abrufen können. Mit der Verwendung von Webmail für diesen Zweck erhält man schon heute eine Kostprobe.
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@ 2005 Der Standard / Helmut Spudich

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