Arbeitsplatz im Web

Zehn Jahre nachdem sich das Web flächendeckend ausbreitete, gibt es noch immer eine relativ scharfe Trennung zwischen dem Web und Stand-Alone-Programmen auf unserem PC - das eine, um Information zu bekommen und darzustellen, das andere zum Schreiben, Organisieren, Bilderbearbeiten usw. Nur Webmail überschreitet diese Grenze.

Eine Reihe junger Webdienste arbeitet daran, dass der Webbrowser nicht nur ein Fenster in die virtuelle Welt ist, sondern auch zum Arbeitsplatz wird und dabei Vorteile gegenüber Programmen am PC hat. "Writely" (www.writely. com) z. B. ist eine Online-Textverarbeitung, bei der Schreiben in einem Fenster des Webbrowsers stattfindet und keine Textverarbeitung am PC nötig ist.

Im Wesentlichen funktioniert Writely so wie von Word (dem De-facto-Monopol bei Textverarbeitungen) gewohnt. Writely kann und will mit den komplexen Fähigkeiten von Word nicht konkurrieren sondern setzt auf Koexistenz. Word-Dokumente können in ein Writely-Dokument geladen werden, Online erstellte Texte können nicht nur online, sondern auch lokal im Word-Format gespeichert werden (wobei komplexe Formatierungen nicht optimal übernommen werden).

Was bringt ein Webprogramm wie Writely, wenn es die Nachteile hat, eine Online-Verbindung zu brauchen und weniger zu können als Offline-Textverarbeitungen? Einerseits steht sie auch auf einem fremden PC zur Verfügung, ohne dass man nach dem Schreiben einen Weg suchen muss, das Dokument auf den eigenen PC zu befördern. Ein Dokument ist immer und überall greifbar, ohne dass man es per USB-Stick oder Mail transferieren und auf verschiedenen Geräten auf den letzten Stand bringen muss. Viele Benutzer, die gerade einmal die Eisbergspitze der Wordfunktionalitäten kratzen, werden die Simplizität von Writely als Vorteil und nicht als Nachteil sehen.

Andererseits läuft Writely dann zur Höchstform auf, wenn mehrere Menschen gemeinsam an einem Dokument arbeiten: Jeder, dem Sie Zugriff ermöglichen, kann mitschreiben - E-Mail-Verständigungen halten "Kollaborateure" über Änderungen auf dem Laufenden.

Ein Pionier dieser Entwicklung, "37 Signals" (www.37signals .com), bietet eine Palette von Onlineprogrammen an, die von Projektmanagement (Basecamp, optimal für Zusammenarbeit mit externen Partnern), Online-Organizer (Backpack) bis zu simplen Online-to-do-Listen reichen. Mein Favorit ist "Writeboard", bei dem mit wenigen Klicks eine Art weißes Brett für beliebig viele Benutzer eingerichtet wird: Darauf können Leute laufend ihre Einträge zu einem Thema machen und Kommentare zu Einträgen schreiben.

Onlinetools haben, dank omnipräsenten Internets, großes Potenzial und werden immer vielfältiger, von Fotosites wie "Flickr" (www.flickr. com, Personal Tools vom 11. Juni 2005) bis zu Instrumenten für die Teamarbeit wie vom österreichischen Anbieter "inBox.cc". Auch wenn sie derzeit ein Fall für "Early Adopters" sind: Es lohnt sich, die Angebote anzuschauen und darunter vielleicht Brauchbares für die eigene Arbeit zu entdecken.
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@2005 Der Standard / Helmut Spudich

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