Die Wiedergeburt der Internet Appliance

Ein Bildschirm, der nur dazu da ist, damit man im Internet surfen kann: Mit seinem ersten Internet-Tablet geht Nokia neue Wege für mobilen Medienkonsum. Überraschung: Man kann nicht damit telefonieren.

Theoretisch ist Internet schon lange mobil. Praktisch wird jedoch überwiegend am Schreibtisch im Netz geschmökert, oder man schleppt einen relativ schweren Notebook mit sich. Oder man verzweifelt an komplexen Internetseiten auf einem kleinen Handybildschirm.

Obwohl Internet dabei ist bisherige Medien im Gebrauch zu überholen, gibt es bis heute keine Geräte die exklusiv der Onlinenutzung dienen. Das ändert sich: Beim LinuxWorld Summit in New York stellte Nokia sein erstes Internet-Tablet vor, eine Art Buch für das Internet. Das Nokia 770 ist ein Bildschirm im Format A6 mit einer Auflösung von 800x480 Pixel (was der Breite gängiger Websites entspricht) vor, mit dem man nur eines kann: Im Web browsen und mailen.

Das Gerät von Nokia überrascht in mehrerer Hinsicht: Es hat keinen Mobilfunkteil, sondern verwendet die Drahtlostechnik WiFi (Wireless LAN). Als Betriebssystem dient Linux und nicht das von Nokia in seinen Smartphones verwendete Symbian. Und obwohl Nokia das 770 als "das erste Gerät einer neuen Produktkategorie von Internet Tablets" vorstellte, tat der Konzern das mit völlig uncharakteristischer Bescheidenheit.

Dabei könnte das 350 Euro teure Leichtgewicht (230 Gramm) zu einem viel verwendeten Weblesegerät für viele Situationen werden: Am Küchentisch für die Morgenlektüre, im Kaffeehaus, in Hotels, im Wohnzimmer. Denn für eine breite Akzeptanz hat es gegenüber jedem Notebook (oder TabletPC) einen Riesenvorteil: Es ist kein PC - weder in der Komplexität der Bedienung, noch im Gewicht, noch im Preis. Damit würde es selbst den "Müttertest" bestehen - ein Gadget, das so einfach ist, "dass es auch meine Mutter benutzen kann", wie es in Technokreisen oft heißt.

Nokia wandelt dabei auf den Spuren anderer Hersteller, die sich schon vor Jahren (glücklos) an so genannten Internet Appliances versuchten. Der wahrscheinlich charmanteste, misslungene Versuch war "Audrey" von 3Com - ein 2000 auf den Markt gebrachter ähnlich großer Bildschirm im Retrodesign auf Palmbasis zum Websurfen, der jedoch ein Telefonkabel benötigte.

Auch Internet Radio - gleichfalls bisher erfolglos - könnte damit eine neue Chance erhalten: Über Internet empfangene Radiostationen könnten über das WiFi-Netz und die Stereoanlage wiedergegeben werden. Auf den Markt kommen soll das Nokia Internet Tablet im heurigen Herbst.
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@2005 Der Standard / Helmut Spudich

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